Bauarbeiten 2020

Ein spannender Fund!

(29.11.2020) Höchst interessant ist der Formstein, den Manni aus dem „Team Jammi + Manni“ am vergangenen Freitag vor der Jahn-Kapelle aus der Erde „pulte“. Nur eine kleine Spitze hatte aus der Erde geragt und dank Mannis Neugier erblickte dann dieser Stein das Tageslicht.
Vermutlich handelt es sich um eine der schmückenden Krabben an der Kreuzblume, die einst den Wimperg – den Ziergiebel über dem Portal – an der Kapelle bekrönte.
Immerhin zweieinhalb Kilo wiegt der Stein, von dem zwar ein Teil des Sockels fehlt, der zur Verteilung des Gewichtes nötig war, und auch ein Stück der „Nase“ ist abgebrochen, aber dennoch beeindruckt die Schönheit dieses architektonischen Details. Ihn mit aller Vorsicht festzuhalten, gebietet sich daher von selbst.
Vielleicht kann der schöne Stein im Zuge der Restaurierung des Kapellen-Portals noch wertvolle Dienste als Vorbild leisten. Und wer weiß, was der Klingenberg, auf dem die Kapelle errichtet wurde, noch an Zeugnissen birgt…

Der Glaser kann bald kommen

(08.11.2020) Während der ganzen vergangenen Woche haben Maurer Jörg Jamm, nicht nur auf dieser Baustelle als Jammi Vielen bekannt, und sein Helfer Manni weiter an „ihren“ Fenstern gewerkelt – nun sind sie an den Außenseiten soweit restauriert, dass der Glaser kommen kann.
Es ist eine Sisyphus-Arbeit, die einzelnen Formsteine so einzupassen, dass am Ende die neogotischen Fenster in ihrer ganzen Pracht entstehen können.
15 Fenster sind es insgesamt, die restauriert werden müssen. Jedes Fenster zeigt, wie kniffelig die Restaurierungsarbeiten sind bzw. teilweise waren:
Schadhafte Steine mussten „herausgepult“ und herausgeschnitten werden, eine mühsame Arbeit für Manni. Und alle diese Steine mussten dann durch neue ersetzt werden.
Das Stabwerk, das heißt die senkrechten und recht langen Stäbe, mit dem die Fenster gegliedert werden, musste Stück für Stück neu aufgebaut oder repariert werden. Dabei sind die Fenster im Obergeschoss dreigliedrig, tragen also zwei Stäbe, durch die das Fenster in drei senkrechte Bahnen geteilt wird, die so genannten Lanzetten. Die Fenster im Erdgeschoss sind zweigliedrig, sie werden durch nur einen Stab in zwei Bahnen gegliedert.
Um das Stabwerk zu stabilisieren, mussten dort, wo sie fehlten, horizontal verlaufende Eisenstäben eingebaut werden.
Jede Bahn endet mit einem Spitzbogen so wie auch das ganze Fenster. Der Spitzbogen über den Bahnen wird durch sogenannte Nonnenköpfe gebildet und geschmückt. Und das Bogenfeld über den Nonnenköpfen wird im Obergeschoss durch zwei Sechsblätter und ein Dreiblatt und im Erdgeschoss durch ein Sechsblatt geschmückt.
Wie die Fenster im Obergeschoss nun nach der Restaurierung außen aussehen, zeigt die Slide-Show.


Darunter ist ein Fenster, das noch Reste der alten Verglasung zeigt und außen noch keine Zierelemente trägt. Dieses Fenster soll dem Original getreu wiederhergestellt werden einschließlich der weißblauen Verglasung, alle anderen Fenster werden am Ende eine einfachere (und angesichts der Gefahr von Vandalismus bruchsichere) Verglasung erhalten.
Die „Blätter“ werden an den Seiten noch von dreieckigen Formsteinen eingefasst. Mit allen figürlichen Elementen werden die Fenster sozusagen bekrönt.
Das Bild unter der Überschrift zu diesem Bericht zeigt fünf der sieben außen wiederhergestellten Fenster im Erdgeschoss.

Im Erdgeschoss waren die Fenster nur noch leere Höhlungen. Weder Stabwerk noch irgendwelche neogotischen Zierelemente in den Spitzbögen waren noch vorhanden, alles war zerstört.
Als Orientierung für die Gestaltung mussten daher die Fenster im Obergeschoss dienen, die zum Teil noch das ursprüngliche Maßwerk trugen. Die Fotos von fünf der sieben Fenster zeigen die Kombination alter und neuer Steine. Die Stäbe, Nonnenköpfe über den Bahnen, Sechsblätter und Dreieckssteine sind allesamt neu und auch in den Fensterlaibungen waren zum Teil zahlreiche Steine zu erneuern.
Für den Architekten war es keine leichte Arbeit, die Größe der Steine zu bestimmen, denn an der Kapelle hat jedes Fenster sein eigenes Maß. So nimmt es nicht wunder, dass etwa die Einfassung des Sechsblattes (oder Sechspasses) mit den dreieckigen Formsteinen für Jammi „ein Fall für sich“ war, den er aus Sicht des „Baustellenreporters“ sehr gut gelöst hat.
Wenn die Fensterverglasung fertig ist, wartet auf Jammi im Innern der Kapelle noch einmal die gleiche Arbeit wie außen, damit die Verglasungen hinterher fest verankert sind.

Ein Künstler bei der Arbeit

(27.10.2020) Filigranarbeit und Geduld sind angesagt für Jörg Jamm von der Firma Werdermann, der derzeit dabei ist, im Erdgeschoss der Jahn-Kapelle ein Fenster nach dem anderen zu restaurieren.
Neben seinen Maurerkellen und dem Maurerbrett helfen ihm Schablone, Keile verschiedenster Größe und Fingerspitzengefühl dabei, sozusagen aus dem Nichts etwas Alt-Neues zu herzustellen.
Guckt man sich den Zustand der Fenster im unten folgenden Bericht vom 25.10. an, so wird spürbar, welch „Pulerei“ auf den Maurer wartet. Hier muss ein alter Stein herausgekratzt werden, dort ein anderer, neue müssen angepasst werden, damit die Fenster wieder Kontur und Dauerhaftigkeit bekommen. Eines der unten gezeigten Fotos zeigt das ganze Ausmaß der Restaurierungsmühen.
„Jammi“ muss nebenbei auch eine gewisse Robustheit und Lust an der Arbeit im Freien an den Tag legen angesichts zunehmender Kälte auf der Baustelle.
Und gerade die scheinen – guckt man sich die Probleme an, Nachwuchs für das Maurerhandwerk zu finden – heutigen Schulabsolventen zu fehlen
(Maurerinnen sind in diesem Handwerkszweig bis heute Ausnahmen, vielleicht ändert sich das einmal irgendwann).
Die Fotos zeigen Jammi bei seiner wahrlich künstlerischen Arbeit. Vielleicht sollte man sich bisweilen an Bertolt Brechts Gedicht „Wer baute das siebentorige Theben?“ erinnern, damit, wenn die Jahn-Kapelle einst in ihrer ganzen Pracht wieder erscheint, Jammis Werk und die Arbeit der anderen Handwerker, die der Firmenchefs und die des Architekten gleichermaßen und genügend gewürdigt wird.

Diese Fenster hat noch niemand gesehen!

(25.10.2020) Ende der vorletzten Woche sind – lang ersehnt – die Formsteine für die Fenster aus der Ziegelmanufaktur Glindow eingetroffen. Und nun geht es doch recht schnell vorwärts mit der Restaurierung der Fenster, zunächst der im Erdgeschoss.
Bei diesen handelte es sich ursprünglich um zweigliedrige Fenster mit nonnenkopfähnlich endenden Bahnen, auf denen eine Rosette in Form eines „Sechspasses“ thronte, der einer sechsblättrigen Blume ähnelte. Weiß und blau waren diese Fenster verglast.
Nichts davon war in den Fenstern des Erdgeschosses mehr da, alles war im Laufe der Jahrzehnte durch Vandalismus und Verfall zerstört worden.
Im Obergeschoss sind die Fenster dreigliedrig. Auch sie hatten teilweise viel vom einstigen Schmuck verloren, die Verglasung fand sich nur noch in winzigen Resten. Aber in manchen war das Maßwerk noch fast vollständig erhalten.
Aber kein heute lebender Mensch in Klein Vielen und in der Region hat die ursprünglichen Fenster in unzerstörtem Zustand gesehen. Reste der einstigen Verzierungen wurden und werden ab und an im Umfeld der Kapelle gefunden, sowohl Ziegelreste als auch Glasscherben.
Zahlreiche weitere Reste schlummern noch in der Umgebung im Boden des Klingenberges und werden bei entsprechenden Funden kommenden Generationen von Verfall und auch den völlig sinnfreien Zerstörungen Zeugnis ablegen.
Und so muss Maurer Jörg Jamm von der Fa. Werdermann nun die Fenster von Grund auf restaurieren, den mittigen Stab wieder aufmauern, fehlerhafte Steine in den Fensterlaibungen ersetzen, Flacheisen zur Stabilisierung der Stäbe einziehen und schließlich – mithilfe von Schablonen – die durch zwei  Nonnenköpfe, Dreieckssteine und einen Sechspass (oder Sechsblatt) geschmückten Bogen ursprungsgenau einbauen.
Die beigefügten Fotos geben bei Vergleich der alten mit den neuen Formsteinen einen Eindruck vom einstigen Zerstörungswerk und der Arbeit, die das Maurerhandwerk hier leistet! Sie ist glücklicherweise keine letztlich vergebliche Sisyphos-Arbeit, denn die Fenster werden, dank der Maurer- und Ziegelbrennerkunst, weitgehend wieder hergestellt und bald wie einst die Kapelle schmücken.

 

Regenschutz für Wasserschlagsteine

(3.10.2020) Derzeit werden die Strebepfeilersteine mit Wasserschlag, die den Regenablauf dort, wo die Strebepfeiler zurückspringen, gewährleisten sollen, mit Zinkblech abgedeckt – eine Vorsichtsmaßnahme gegen das Eindringen von Feuchtigkeit und Frost in die Fugen, die diese Steine mit dem Strebepfeiler verbinden und damit gegen die Spannungen, die daraus entstehen.

Das Bild, das die Verblechung produziert, dürfte für Puristen unter Denkmalschützern eine professionelle Herausforderung bedeuten, nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern auch hinsichtlich möglicher Verfälschungen der Formensprache des ursprünglichen Architekten – hier also der von Friedrich Wilhelm Buttel.

Aber: dass die Sorge und die daraus erwachsende Vorsichtsmaßnahme
nicht unbegründet sind, zeigen Vergleiche mit anderen Buttel-Bauten.
An den Dorfkirchen in Briggow (Foto Mitte) und Zierke zeigt sich, wie Nässe, Frost und Spannung die Steine mit Wasserschlag von den Strebepfeilern lösen können.
In Zierke ist davon jeder Strebepfeiler betroffen, in Briggow wurde den Wasserschlagsteinen irgendwann ein „Dach“ gegeben.
(Alle Fotos auf dieser Seite: H. Behrens)

Buttels Handschrift erfordert filigrane Arbeit

(20.9.2020) Derzeit heißt die Devise an der Kapelle: filigran arbeiten!

Der Maurer, seine Helfer und die Klempner feilten in den vergangenen zwei Wochen
an den Buttelschen Zierelementen und
den Fenstern.

Die Klempner falzten, schnitten und löteten, um den Fialen am Dachgeschoss ihren Helmschmuck zu geben – die Bilder lassen erahnen, welche Kunst sich in der Arbeit verbirgt.

Dreieckssteine

Und „Jammi“ und seine Helfer wechselten Steine der Fensterlaibungen aus, bauten Stein um Stein Fensterstreben
auf und verfugten die Zwischenräume zwischen den Sechspasselementen.

In die Dutzende geht die Zahl der Formen gelb gebrannter Schmucksteine, mit denen die Verzierung der Kapelle
seinerzeit gelang – und nun wieder gelingen soll!

Die verschiedenen Formen der Steine kennen zu lernen,
ihre Rekonstruktion zu planen und den Plan umzusetzen,
das ist eben filigrane Arbeit.

So manches musste erst mühsam auseinandergenommen werden,
um die unterschiedlichen Formsteine herausfinden zu können, wie hier auf dem Foto von der Laibung eines Fensters zu sehen ist.
Und so wie der auf „Mannis“ Schneidebrett sieht der Stein dann aus.

Der heutige Architekt Christian Peters und die Leiter wie Kollegen
der Baubetriebe Werdermann und Hanke legen letztlich eine
ebenso große Kunstfertigkeit  an den Tag wie seinerzeit die „Altvorderen“.

 

Buttels Handschrift wird mehr und mehr sichtbar!

(6.9.2020) Ende der vergangenen Woche war es soweit:
die Ziegelmanufaktur Glindow konnte die gelben Formsteine für die Fialen und die Fenster ausliefern, wenngleich noch nicht alle: Die Steine für die Fialspitzen, die Helmdächern gleichen, müssen noch gebrannt werden.
Die gelb gebrannten Ziegel sind, in Kombination mit rotem Backstein, das typische und, in der Summe seiner Bauwerke, insbesondere der sakralen, untrügliche Zeichen für Buttels Handschrift in der mecklenburgischen Kulturlandschaft, und dieses Zeichen wird nun Schritt für Schritt deutlicher sichtbar.
Einst wurden diese gelben Formsteine in der Radelandschen Ziegelei in Neustrelitz gefertigt, sie war Buttels verlässliche Partnerin in seinem architektonischen Schaffen in den beiden ehemaligen Großherzogtümern.
Jörg Jamm, Maurer der Firma Werdermann, ist mit seinen Helfern derzeit verstärkt dabei, mit den gelieferten Steinen die Fialen im Dach- und Obergeschoss wieder aufzumauern. Ihm gelang es zunächst, mit den vorhandenen alten Steinen fast sechs Fialen wieder aufzubauen.
Nun ist er damit beschäftigt, die beiden reslichen Fiale im Dachgeschoss und die acht im Obergeschoss bis zu der Höhe wiederherzustellen, in der die Bekrönungen beginnen.Die Klempner der Firma Handke waren auch schon vor Ort.
Sie verzieren bzw. sichern die Fialbekrönungen mit den einst weithin sichtbaren verzinkten Helmdächern und Kreuzblumen auf den Fialspitzen.
Sie konnten bisher nur einzelne Fialen bearbeiten, da wie gesagt, noch Formsteine fehlen. Die Zinkabdeckungen dienen vor alem auch dazu, Feuchtigkeit abzuhalten.
Fialen aus noch vorhandenen und den nun gelieferten neuen Formsteinen werden mit der Zeit zu einer Einheit verwachsen und vom aus der Ursprungszeit Erhaltenen wie dem nun neu Geformten zeugen.
Wir können dankbar sein, dass es noch eine Ziegelei in erreichbarer Nähe gibt, die diese Steine herstellt und ebenso dafür, dass es Handwerker wie Jörg Jamm gibt, die sie zu Kunstwerken formen, so, wie die Jahn-Kapelle ein einzigartiges Kunstwerk darstellen wird – hoffentlich wieder in ihrer ganzen Pracht.Dies sei vorausgesagt: Die Jahn-Kapelle wird zu einem Wahrzeichen Klein Vielens und vielleicht zu einem der Region werden.

Spenden sind weiter herzlich willkommen!
Diese können Sie über den Förderverein Jahn-Kapelle e. V. tätigen.
Hier geht es zum Förderverein, der berechtigt ist, Spendenquittungen auszustellen.

 

Geheilt: Sturmgeschädigte Kreuzblume

(14.08.2020) Dank der Unterstützung durch Spenden, die dem Förderverein Jahn-Kapelle e. V.  zugingen, konnte Anfang der Woche Restauratorin Cora Zimmermann von der Restaurierungswerkstatt-Metall in Penemünde die durch einen Sturm beschädigte Kreuzblume auf der Spitze der Jahn-Kapelle reparieren. Nun erstrahlt sie wieder in altem Glanz.

Die Fialen beginnen zu wachsen…

(13.08.2020) Die Bauarbeiten an der Kapelle sind wieder in Gang gekommen.  Maurer der Firma Werdermann begannen in der vergangenen Woche mit dem Wiederaufbau der Fialen im Dachgeschoss. Zunächst verbauen sie die am Bauwerk noch auffindbaren Originalsteine, da die bestellten Steine aus der Ziegelei noch nicht geliefert werden konnten. Damit können sie immerhin vier der Fialen nahezu komplett wiederherstellen. Die Arbeit der Maurer gleicht hier der von Künstlern!
Am Ende sollen es 16 Fialen werden, die das Dachgeschoss und das Zwischendach zwischen Erd- und Obergeschoss bekrönen. Das Foto zeigt zwei der wieder aufgebauten Fialen, noch unverfugt und ohne die schmückende Spitze.
Und zwei weitere Fialen sollen Eingangstür und Wimperg begleiten.
Im Laufe der letzten Woche erfolgten zudem auch Absprachen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde zu den mit dem 3. Bauabschnitt verbundenen Sanierungsarbeiten.

Vorbereitungen für den 3. Bauabschnitt laufen

(20.06.2020) Wird es bald richtig weitergehen auf dem Bau?
Nachdem die „Modalitäten“ zwischen Gemeinde und dem Land Mecklenburg-Vorpommern als Fördereinrichtung (siehe hier) erfolgreich abgeschlossen wurden, sind nun die Formsteine bestellt worden, die für den dritten Bauabschnitt nötig sind.
Zu den Zielen im dritten Bauabschnitt gehört, die Fialen im Dach- und Obergeschoss wieder aufzubauen und die Fenster zu sanieren, zumindest die Obergadenfenster. Dazu mussten die vorhandenen Reste auseinander genommen werden, um „Mustersteine“ zu gewinnen.
Das Foto zeigt eines der Lanzett-Drillingsfenster im Obergeschoss, von dem die Mitarbeiter der Baufirma die „Vorderseite“ des Maßwerks aus Drei- und Sechspässen sowie Nonnenköpfen demontiert haben. Dahinter traten Glasreste zutage, sodass hier auch sehr schön die Art und Weise der Verglasung abzulesen ist. Auch die Steine der Fensterstreben, die das Stabwerk bilden, mussten vermessen werden, da dieses in den Fenstern teilweise fehlt.

Sturmschaden an der Kreuzblume
Leider fing das Baujahr nicht sonderlich erfreulich an. Der letzte schwere Sturm schlug von einem Blatt der Kreuzblume ein Stück ab, das nun bald wieder angebracht werden soll.