1979 – die Kapelle wird zum Denkmal erklärt

Vielleicht war es auch den Bemühungen Walter Gotsmanns und anderer Mitglieder der damaligen „Natur- und Heimatfreunde“ zu verdanken (siehe hier), dass die „Jahn-Kapelle“ am 11. Dezember 1979 vom Rat des Kreises Neustrelitz unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Rechtsgrundlage war dafür der Paragraf 9 Absatz 3 des „Gesetzes zur Erhaltung der Denkmale in der Deutschen Demokratischen Republik – Denkmalpflegegesetz“ vom 19. Januar 1975. Darin hieß es:

(3) Die Räte der Kreise sprechen die Denkmalerklärung nach § 3 Abs. 1 aus und unterrichten die Rechtsträger, Eigentümer oder Verfügungsberechtigten über die Klassifizierung des Denkmals und ihre Verpflichtungen zu seiner Pflege und Erschließung. Das zuständige Ratsmitglied ist berechtigt, den Rechtsträgern, Eigentümern oder Verfügungsberechtigten im Rahmen ihrer Pflichten nach § 11 Absätze 1 und 2 Auflagen zu deren Erfüllung zu erteilen.

Dieser Paragraf 11 des DDR-Denkmalschutzgesetzes bestimmte – und so ähnlich steht es in heutigen Denkmalschutzgesetzen auch –, dass die „Rechtsträger, Eigentümer oder Verfügungsberechtigten“ verantwortlich für den Schutz und die Pflege der Denkmale waren. Im Fall der Kapelle in Klein Vielen war es die Gemeinde, die den Schutz und die Pflege gewährleisten und die Kapelle der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte. Sie hatte auch die Kennzeichnungspflicht.
Das DDR-Denkmalschutzgesetz sah auch vor, dass das Denkmal (hier: die Kapelle) „unter fachwissenschaftlicher Anleitung in ihrem Bestand und ihrer Wirkung“ erhalten und restauriert werden sollte. Dabei wurde finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.
Laut Denkmalerklärung sollte auch die Umgebung der Kapelle in den Denkmalschutz einbezogen werden. Im Formular selbst (siehe Abbildung) finden sich dazu keine näheren Erläuterungen.
Bis Mitte der 1990er Jahre, noch über das Jahr der Vereinigung der beiden deutschen Staaten hinaus, gelangen weder die Erhaltung noch die Restaurierung der Kapelle. Vielleicht fehlte in erster Linie das Geld, vielleicht in zweiter der Wille.
1996 schließlich kam es zu einer Notsicherung des Daches (siehe hier), um den Einsturz der Kapelle zu verhindern – eine Sicherungsmaßnahme, zu der die Gemeinde laut Denkmalschutzgesetz auch verpflichtet war.

Quellen:
Gesetz zur Erhaltung der Denkmale in der DDR -Denkmalpflegegesetz – vom 19. Juni 1975 (GBl. I Nr. 26 S. 458) i. d. F. des Kulturgutschutzgesetzes vom 3. Juli 1980 (GBl. I Nr. 20 S. 191)
Denkmalerklärung des Rates des Kreises Neustrelitz, 1979: Ehemaliges Kreisarchiv Mecklenburg-Strelitz, VA/EA Nr. 1049