Uwe Schwichtenberg (1942-2004)

Uwe Schwichtenberg aus Klein Vielen – der berühmte Tierdresseur
Uwe Schwichtenberg bei verschiedenen Dressuren. Fotos aus: Netzker & Turra 1982, S. 15, 23, 24, 61.

Uwe Schwichtenberg wurde am 26.2.1942 geboren. Er wuchs in Klein Vielen auf und besuchte in Peckatel die Schule.
Schon früh entdeckte er seine Begeisterung für den Umgang mit Tieren und für den Zirkus und er hatte das Glück, sein schönstes Hobby mit dem Beruf zu verbinden.
Es gelang ihm, eine Anstellung beim Staatszirkus der DDR zu erlangen. Dieser Zirkus war am 1. Januar 1960 als Volkseigener Betrieb (VEB) Zentral-Zirkus gegründet und 1981 in Staatszirkus der DDR umbenannt worden. Dort wurde Uwe Schwichtenberg als Dresseur und „Tierlehrer“ über die Grenzen der DDR hinaus berühmt.
Am 23.5.1986 wurde er für seine Verdienste um den Zirkus mit dem Kunstpreis der DDR ausgezeichnet.
Nach 1990 setzte Uwe Schwichtenberg seine Tätigkeit beim international berühmten Zirkus Probst fort, der seinen Firmensitz in Neustadt an der Weinstraße hat. Er war Lehrer für Stephanie Probst, die heute als herausragende Tierdresseurin gilt. Bis heute erweist sie ihrem Lehrer ihre Dankbarkeit und Anerkennung, was aus folgender Beschreibung hervorgeht:
»Mit sechs Jahren trat Stephanie Probst das erste Mal auf, führte vier Ponys vor; mit 13 Jahren dirigierte sie sechs Araberhengste in der Manege, zwei Jahre später einen Achterzug Friesen und Araber. Inzwischen hat sie sich einen Ruf als herausragendes Tierlehrer-Talent erworben. Stets elegant, mit charmantem Lächeln und leichter Hand präsentiert sie ihre Tierdressuren. Eine Circusprinzessin.
Das Können kam nicht von ungefähr. Schließlich lernte sie ihr Handwerk bei Uwe Schwichtenberg, dem Meisterdresseur des ehemaligen DDR-Staatszirkus’. Schwichtenberg fand nach der Wende bei Probst eine neue Heimat. „Wo dieser Mann war, war ich auch“, erzählt Stephanie. „Er war nicht nur ein Vorbild für mich, sondern wie ein Opa.“ Und wenn sie als junges Mädchen manchmal ein „kleines Mistbiest“ gewesen sei, wie sie selbst formuliert, dann habe „Onkel Uwe“ sie schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Schwichtenberg vermittelte der jungen Stephanie sein Erfolgsrezept als Dresseur: Ruhe, Geduld und viel Liebe zu den Tieren, niemals Gewalt. Er hatte seiner Meisterschülerin sein Wissen behutsam und in kleinen Schritten vermitteln wollen. Doch dann starb Schwichtenberg im März 2004 nach kurzer schwerer Krankheit viel zu früh an Krebs. Stephanie trauerte tief. Und sollte plötzlich auch die Kamele vorführen. „Das hatte ich noch nie gemacht, nur durch Zusehen wusste ich, wie Uwe sich bewegt hatte.“ Pferde, sagt sie, reagieren auf feine Gesten und wenig Worte, bei Kamelen müsse man energischer auftreten, mehr mit der Stimme arbeiten. Einer der Kamelhengste machte erstmal gar nichts mehr. Rotz und Wasser habe sie geheult, sagt Stephanie. Doch sie überlegte, wie es der Onkel Uwe gemacht hätte, ließ die Tiere in den Proben zunächst wieder an Longen führen und prägte sie auf die neue Chefin. Und mit der Zeit klappte alles. Seit Schwichtenbergs Tod arbeitet Stephanie Probst alleine als Tierlehrerin« (chapiteau.de, 15.12.2016).
Auf circusworld.de finden sich Kommentare zu Uwe Schwichtenberg wie diese:
Ein Klaus schreibt: »Uwe Schwichtenberg kam ja vom Staatszirkus der DDR; dort habe ich ihn häufig gesehen. Er war dort vor allem zuständig für Exotendressuren, wurde aber auch bekannt mit humorvollen Dressuren, beispielsweise mit seinen dressierten Eseln oder dressierten Schweinen. Beim West-Probst glänzte er dann auch mit verschiedenen Pferde-Freiheiten.
Uwe Schwichtenberg gehörte – nicht zuletzt, weil er gut „verkaufen“ konnte – zu jenen DDR-Artisten und -Dresseuren, die zu DDR-Zeiten immer wieder auch im Westen aufgetreten sind. Ich erinnere hier an die Gastspiele bei Benneweis und Schumann in Dänemark. Auch bei „Menschen, Tiere, Sensationen“ in der Deutschlandhalle haben wir Uwe Schwichtenberg mit seinen lustigen Tierdressuren mal gesehen.«
Jürgen P., ein anderer Fan, schreibt: »Ich hatte das Glück, ihn in Offenburg bei den Fernsehaufzeichnungen für das ZDF “ Circus-Circus“ kennen zu lernen. Sehr kompetent, sehr zurückhaltend und bescheiden. Aber ein Meister seines Fachs. Bei jedem Exotenzug den ich sehe denke ich an Uwe Schwichtenberg. Sehr bekannt ist auch sein Auftritt bei der Gala “ Nacht der Prominenten “ mit Helga Hahnemann und den Kühen«.
Und in Gelsenkirchen hatte sich sogar bereits vor der „Wende“ eine Fangruppe gebildet.
Bei Alexander Smoltczyk ist über ihn zu lesen: »Uwe Schwichtenberg hat so ziemlich alles dressiert, was über vier Beine und ein Mindestmaß an Hirn verfügt: Elefanten, Esel, Wollschweine.« (Smoltczyk 1996: 152).

Uwe Schwichtenbergs Karriere endete viel zu früh. Er starb am 25.3.2004.
Wer ihn noch einmal in Aktion sehen will, findet hier einen Filmmitschnitt:
http://www.circopedia.org/Uwe_Schwichtenberg_Trained_Pigs_Video_1973

Quellen:
Netzker, O. & Turra, M. 1982: Zirkus International. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, DDR-Berlin. (Fotos aus diesem Band S. 15, 23, 24 und 61. Urheber: unbekannt, gehen aus der Veröffentlichung nicht hervor; E-Mail-Anfrage und Recherche beim Nachfolgeverlag ohne Ergebnis.)
Smoltczyk, A. 1996: Der Wald ohne Schatten. Auf der Suche nach letzten Orten dieser Welt. Berlin.
http://www.chapiteau.de/hintermzelt/2011/stprobst/stprobst.htm (15.12.2016).