{"id":4172,"date":"2020-12-27T12:07:13","date_gmt":"2020-12-27T12:07:13","guid":{"rendered":"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=4172"},"modified":"2020-12-31T12:51:52","modified_gmt":"2020-12-31T12:51:52","slug":"die-kirche-in-kratzeburg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=4172","title":{"rendered":"Die Kirche in Kratzeburg"},"content":{"rendered":"<h5><strong>Zur Geschichte der Kirche<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/kirche-kratzeburg-150dpi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4173 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/kirche-kratzeburg-150dpi.jpg\" alt=\"\" width=\"339\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/kirche-kratzeburg-150dpi.jpg 1004w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/kirche-kratzeburg-150dpi-300x169.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/kirche-kratzeburg-150dpi-768x432.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><\/a><\/strong><\/h5>\n<p>Aus der Zeit des Mittelalters sind keine Nachweise \u00fcber eine Kirche in Kratzeburg\u00a0\u00fcberliefert. In der Reformationszeit (1517\u20131648) war Kratzeburg allerdings bereits ein selbst\u00e4ndiger Pfarrort. 1579 wird ein Pastor urkundlich erw\u00e4hnt. M\u00f6glicherweise war eine erste Kirche in Kratzeburg bereits vor dem 16. Jahrhundert vorhanden.<br \/>\nDer Ort selbst wurde 1256 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt, als F\u00fcrst Nikolaus I. von Werle dem Kloster Dargun das Dorf Dalmestorf (Dalmsdorf) und den halben See Cobolc (K\u00e4belick) verlieh, und das Kloster zus\u00e4tzlich u.a. Werdhere (Kratzeburg), Cechentin (Techentin), Blankenf\u00f6rde und Granzin von dem F\u00fcrsten und dessen Vasallen erwarb.<br \/>\nIm Jahre 1359 kamen die f\u00fcnf \u201eHeided\u00f6rfer\u201c (Kratzeburg, Dalmsdorf, Granzin, Blankenf\u00f6rde, Techentin) zur Komthurei (Verwaltungsbezirk) Mirow. Techentin lag wohl am gleichnamigen See einige Kilometer s\u00fcdlich von Langhagen und fiel sp\u00e4ter w\u00fcst.<br \/>\nKratzeburg wurde vom Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg (1618\u20131648) nicht verschont. 1638 starb neben vielen anderen Einwohnern des Dorfes der damalige Pastor Tollius an der Pest, zahlreiche b\u00e4uerlich bewirtschaftete L\u00e4ndereien fielen w\u00fcst, der Verfall der Kirche begann. 1640 wurde der dreiteilige Schnitzaltar der Kirche Kratzeburg, der aus der zweiten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts stammte, in die Kirche Schillersdorf gebracht, wohl, um ihn zu retten.<br \/>\nErst 1662 kam wieder ein Pfarrer nach Kratzeburg. Und bereits um 1700 h\u00e4uften sich die Klagen wegen des bauf\u00e4lligen Zustandes der alten Kirche, eine Kollekte brachte nur die Mittel f\u00fcr Reparaturen auf.<br \/>\n1786 wurde schlie\u00dflich auf den Grundmauern der alten Kirche eine neue gebaut. Es handelt sich um einen rechteckigen Eichen-Fachwerkbau mit einer Grundfl\u00e4che von 8,5 x 13,6 Metern. Der Eingang befindet sich an der s\u00fcdlichen L\u00e4ngsseite. Das Fachwerk zeigt, durch die Fenster geteilt an zwei St\u00e4ndern, die Figur des \u201efr\u00e4nkischen Mannes\u201c. Ein niedriger Turm mit einem barock geschwungenen Helmdach \u201ew\u00e4chst \u00fcber rechteckiger Grundform aus dem Ziegeldach hervor. Dies ist im Osten abgewalmt\u201c (Kr\u00fcger 1921: 71).<br \/>\nEin Stein rechts vor dem Eingang tr\u00e4gt das Datum 24. April 1786.<br \/>\nDer Kanzelaltar ist im sogenannten Zopfstil gestaltet und wurde von dem Mirower Tischlermeister Rabensdorf gefertigt, das tragbare h\u00f6lzerne Lesepult mit einem Wagenrad als Fu\u00df wurde von einem Ehepaar Witsch 1808 gestiftet.<br \/>\nDie Kirche schm\u00fccken im Mittelschrein Gem\u00e4lde (Kreuzigungsgruppe und Heilige) sowie Szenen aus der Passionsgeschichte und einige weibliche Heiligenfiguren.<br \/>\nMit dem Neubau der Kirche war die Schlie\u00dfung des alten Friedhofs an der Kirche im Folgejahr 1877 verbunden. In diesem Jahr wurde an der Dorfstra\u00dfe in Richtung Neustrelitz ein neuer Friedhof eingeweiht.<br \/>\n1851 stiftete Caspar Hesse eine Orgel, die von dem Orgelbauer Holland aus Schmiedefeld in Th\u00fcringen gebaut wurde.<br \/>\nDer Schnitzaltar aus der vorherigen Kirche kam 1935 aus Schillersdorf wieder zur\u00fcck und wurde an der Nordwand aufgeh\u00e4ngt. Hintergrund daf\u00fcr war, dass Schillersdorf \u2013 wie andere D\u00f6rfer und ihre Gemarkungen \u2013 in Vorbereitung auf den vom faschistischen Deutschland angezettelten Eroberungs- und Vernichtungskrieg als Bombenabwurfgebiet der \u201eErprobungsstelle der Deutschen Luftwaffe\u201c in Rechlin diente. Die D\u00f6rfer wurden zuvor ausgesiedelt und erst nach dem 2. Weltkrieg wieder besiedelt.<br \/>\nDie in der Kirche vorhandenen Bronze-Glocken aus den Jahren 1692 und 1786 wurden 1918 bzw. 1944 zu R\u00fcstungszwecken abgeholt. Nach 1945 erhielt die Kirche wieder eine Bronzeglocke aus dem noch vorhandenen Bestand der allgemein abgelieferten und nicht mehr eingeschmolzenen Glocken zur\u00fcck. Die Glocke wurde 1933 von der schwedischen Glockengie\u00dferei M &amp; O Ohlsson gegossen, die von 1878 bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts einen Zweigbetrieb in L\u00fcbeck unterhielt. Von den Glocken dieser Firma sind in Deutschland wegen der Zweckentfremdung f\u00fcr Kriegszwecke nur noch wenige vorhanden.<br \/>\n1992 wurde in das alte Orgelgeh\u00e4use von Orgelbaumeister Nu\u00dfb\u00fccker aus Plau ein neues Instrument eingebaut.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens<\/strong>:<\/p>\n<p>Am St\u00e4<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Emailleschilder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-4177 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Emailleschilder-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Emailleschilder-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Emailleschilder-225x300.jpg 225w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Emailleschilder.jpg 876w\" sizes=\"(max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a>nderwerk im Turm der Kirche finden sich interessante Emailleschilder, die irgendwer irgendwann dort angenagelt hat. Sie erz\u00e4hlen ein wenig von der Geschichte der Kirchgemeinde und auch von der Gesellschaftsordnung, die einst herrschte. In der Mitte hei\u00dft es: \u201e<em>Stand der Kratzeburger Eigenth\u00fcmer<\/em>\u201c und unten: \u201e<em>Kirchensitz f\u00fcr Dalmsdorfer Bauerfrauen<\/em>\u201c.<br \/>\nEs gab noch bis weit ins 19. Jahrhundert eine Sitzordnung, die auf Geburtsstand und Privilegien aufbaute. Es war ein gro\u00dfer Unterschied, ob man vorne oder hinten, oben oder unten sitzen durfte und die Gemeindemitglieder nahmen ihre Kirchenst\u00fchle sehr wichtig. K\u00fcster, Gemeindeleitung, Guts- oder Hofeigent\u00fcmer und -p\u00e4chter oder Handwerker nahmen in den vorderen Reihen Platz, wobei M\u00e4nner und Frauen getrennt sa\u00dfen.<br \/>\n\u201eDas niedere Volk\u201c musste mit den hinteren Pl\u00e4tzen oder der Empore Vorlieb nehmen und mancherorts sogar Miete f\u00fcr ihre Sitze zahlen. \u201eObgleich Kirchenstuhlpl\u00e4ne immer nur Momentaufnahmen waren und die soziale Ordnung selten dauerhaft festschreiben konnten, ist die Ungleichheit nach Stand und Geburt doch grundlegend f\u00fcr sie gewesen. Das gro\u00dfe Wort des Apostels Paulus, dass es vor Gott kein Ansehen der Person gebe, ist vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert bei der kirchlichen Sitzordnung wenig bis gar nicht zur Geltung gekommen. Man kann das der Kirche zum Vorwurf machen, sollte aber die zeitgebundenen M\u00f6glichkeiten der Kirchenunterhaltung beachten und auch jene sozialen Schichtungen bedenken, die heute unser Leben bestimmen\u201c (Wiese 2015).<\/p>\n<p>Zur eigenst\u00e4ndigen ev.-luth. Kirchengemeinde Kratzeburg geh\u00f6ren die Orte bzw. Ortsteile Dalmsdorf, Dambeck, Granzin (Kirche), Granziner M\u00fchle, Henningsdorf, Kratzeburg (Kirche), Krienke, Langhagen und Pieversdorf. Die\u00a0Kirchengemeinde Kratzeburg ist seit 2010 mit der Kirchgemeinde Neustrelitz-Kiefernheide verbunden.<\/p>\n<p><strong>Quellen<br \/>\n<\/strong>Wiese, R. 2011: Du bist, wo du in der Kirche sitzt. http:\/\/www.kulturwerte-mv.de, Aufruf am 28.2.2015.<br \/>\nGemeinde Kratzeburg (Hg.) 2006: 750 Jahre Kratzeburg 1256-2006. Neubrandenburg.<br \/>\nKr\u00fcger, G. (Bearb.) 1921: Kunst- und Geschichts-Denkm\u00e4ler des Freistaates Mecklenburg-Strelitz. I. Band: Das Land Stargard. I. Abteilung. Neubrandenburg: 68\u201373.<br \/>\nwww.kirche-mv.de<\/p>\n<p>Fotos: H. Behrens<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Geschichte der Kirche Aus der Zeit des Mittelalters sind keine Nachweise \u00fcber eine Kirche in Kratzeburg\u00a0\u00fcberliefert. In der Reformationszeit (1517\u20131648) war Kratzeburg allerdings bereits ein selbst\u00e4ndiger Pfarrort. 1579 wird ein Pastor urkundlich erw\u00e4hnt. M\u00f6glicherweise war eine erste Kirche in Kratzeburg bereits vor dem 16. Jahrhundert vorhanden. 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