{"id":4184,"date":"2020-12-30T18:23:40","date_gmt":"2020-12-30T18:23:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=4184"},"modified":"2021-01-01T19:10:39","modified_gmt":"2021-01-01T19:10:39","slug":"das-krug-gebaeude-in-hohenzieritz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=4184","title":{"rendered":"Das Krug-Geb\u00e4ude in Hohenzieritz"},"content":{"rendered":"<h5>Ein Entwurf von Friedrich Wilhelm Dunckelberg (1773\u20131844)<\/h5>\n<p>1804\u00a0\u2013 nach einer anderen Quelle 1807\u00a0\u2013 lie\u00df Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz (1741\u20131816) an der Dorfstra\u00dfe Hohenzieritz in der Achse des Schlosses ein imposantes Geb\u00e4ude bauen, das den Dorfkrug beherbergte.<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hzieritzer-Krug-alt-aktuell.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4185 aligncenter\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hzieritzer-Krug-alt-aktuell-1024x326.jpg\" alt=\"\" width=\"609\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hzieritzer-Krug-alt-aktuell-1024x326.jpg 1024w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hzieritzer-Krug-alt-aktuell-300x96.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hzieritzer-Krug-alt-aktuell-768x245.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Hzieritzer-Krug-alt-aktuell.jpg 1905w\" sizes=\"(max-width: 609px) 100vw, 609px\" \/><\/a><br \/>\nDer Architekt dieses Geb\u00e4udes war der Kammeringenieur (Ingenieur der Hofkammer) und Landbaumeister im Herzogtum bzw. Gro\u00dfherzogtum Mecklenburg-Strelitz, Friedrich Wilhelm Dunckelberg (auch Dunkelberg geschrieben).<br \/>\nDer Autor eines Aufsatzes \u00fcber Dunckelberg f\u00fcr die historisch-literarische Zeitschrift &#8222;Carolinum&#8220;, Paul Martins, charakterisierte das Krug-Geb\u00e4ude so:<br \/>\n<em>\u201eAn Dunckelbergs Urheberschaft ist nicht zu zweifeln, obwohl die Fassade von seinen anderen Werken dadurch abweicht, da\u00df die senkrechte Gliederung die waagerechte Schichtung der Stockwerke \u00fcberwiegt. Vielleicht ist damit eine Angleichung an die gro\u00dfe Pilasterarchitektur des Schlosses beabsichtigt. Die mittlere der sieben Achsen ist als Risalit vorgezogen, das die Haust\u00fcr in einer Rundbogenblende enth\u00e4lt. Die Fenster liegen in R\u00fcckspr\u00fcngen, die vom Sockel bis nahe unter das Gesims reichen, soda\u00df die eigentliche vordere Wandfl\u00e4che nur durch einen ganz schmalen Streifen oben ihren Zusammenhang wahrt, eine Aufteilung, die in der sp\u00e4tbarocken Bauweise h\u00e4ufiger ist, aber um die Zeit nach 1800 kaum noch vorkommt. Der vertikale Charakter der Fassadengliederung wird durch die starken Gesimse \u00fcber den Erdgescho\u00dffenstern unterbrochen.\u201c<\/em> (Martins 1979: 27)<\/p>\n<p>Den Neustrelitzer Architekt Konrad Hustaedt faszinierte Anfang des 20. Jahrhunderts besonders die Dachform des Kruges, die er als <em>Bohlensparrendach<\/em> kennzeichnete, das einst der franz\u00f6sische Architekt und Kunstschriftsteller Philibert de Lorme (1515\u20131570) entworfen hatte:<a style=\"color: #ea9629; text-decoration-line: underline; outline: 0px;\" href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Seiten-aus-Hustaedt-2014-Schoenheit-d-Daches-Meckl-9-1-S-17.jpg\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4186 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Seiten-aus-Hustaedt-2014-Schoenheit-d-Daches-Meckl-9-1-S-17-1024x757.jpg\" alt=\"\" width=\"339\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Seiten-aus-Hustaedt-2014-Schoenheit-d-Daches-Meckl-9-1-S-17-1024x757.jpg 1024w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Seiten-aus-Hustaedt-2014-Schoenheit-d-Daches-Meckl-9-1-S-17-300x222.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Seiten-aus-Hustaedt-2014-Schoenheit-d-Daches-Meckl-9-1-S-17-768x567.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Seiten-aus-Hustaedt-2014-Schoenheit-d-Daches-Meckl-9-1-S-17.jpg 1394w\" sizes=\"(max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><\/em><\/a><em><br \/>\n\u201eEine nicht minder interessante, anmutige, wenngleich nicht so malerische Dachform, welche in unserer engeren Heimat gegen Ende des 18. Jahrhundert<\/em><em>s, haupts\u00e4chlich jedoch im Anfang des 19., als Begleiterscheinung der klassizistischen Epoche nun das Mansardendach, welches besonders, wie ich zu sagen versuchte, in der Zeit des Rokoko herrschend war, abl\u00f6ste, ist das \u201aBohlensparrendach\u2018.<br \/>\n<\/em><em>Auch dieser \u00e4u\u00dferst wirksamen, bei gelungener Ausf\u00fchrung durch reizvolle Silhouette fesselnde und von k\u00fcnstlerischen wie \u00e4sthetischen Gesichtspunkten reichen Dachform begegnen wir in einigen gef\u00e4lligen geschmackvollen St\u00fccken, abgesehen von anderen Orten unserer Heimat, in unserer Stadt [Neustrelitz].<br \/>\n<\/em><em>Hier war es der fein begabte [\u2026] Friedrich Wilhelm Dunckelberg 1773\u20131844, der Tr\u00e4ger der klassizistischen Epoche in unserer engeren Heimat, dessen reichem K\u00f6nnen wir so manches wertvolle bedeutende architektonische und bildnerische Werk verdanken, durch welches diese Form eine gro\u00dfe Beliebtheit gewann [\u2026].\u00a0<\/em>(Hustaedt 1914: 17)<br \/>\nIn Hustaedts Aufsatz findet sich auch das nebenstehende Foto, das auch Motiv der auf dieser Seite abgebildeten Postkarte aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts war, als eine Familie Warncke den Krug f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Krug-Geb\u00e4ude weiterhin als Gastst\u00e4tte von Hohenzieritz, sp\u00e4ter dann als Werkk\u00fcche des Volkseigenen Gutes Hohenzieritz und danach als Konsumverkaufsstelle. 1970 wurden im Obergeschoss und unter dem Dach vier damals moderne Wohnungen eingerichtet. Offenbar wurden in diesem Zusammenhang drei Dachfenster eingebaut, die stehenden Schleppdachgauben \u00e4hneln, wobei die Fenster leider ohne Sprossen blieben. Bei einem Vergleich zwischen dem bei Hustaedt 1914 abgebildeten Foto und der Postkarte (ganz oben), die danach entstanden sein muss, f\u00e4llt auf, dass Dunckelberg urspr\u00fcnglich zur Belichtung des Dachbodens in der Dachfl\u00e4che eine Fledermausgaube angeordnet hatte.<br \/>\nDer gro\u00dfe Dachboden diente jahrelang als Trockenboden f\u00fcr die W\u00e4scherei der B\u00e4uerlichen Handelsgenossenschaft Hohenzieritz, die von 1953 bis 1974 im Schloss untergebracht war.<br \/>\nLeider steht das Krug-Geb\u00e4ude seit vielen Jahren leer und wartet auf die Erweckung aus dem Dornr\u00f6schenschlaf. Es muss unbedingt erhalten werden, denn die Zahl der von Dunckelberg hinterlassenen Bauten ist \u00fcberschaubar!!<\/p>\n<p><strong>Wer war Baumeister Friedrich Wilhelm Dunckelberg?<br \/>\n<\/strong>Er wurde am 3. November 1773 in G\u00f6rzke (Brandenburg) geboren und starb am 12. Februar 1844 in Neustrelitz. Nach Abschluss seiner Schulausbildung erlernte er das Baufach. In Berlin h\u00f6rte er Vorlesungen am Oberbaudepartment, der sp\u00e4teren Berliner Bauakademie. 1795 bestand er das Examen als Feldmesser. 1801 erhielt er eine Anstellung als Feldmesser in Neustrelitz und wurde dort 1806 zum Landbaumeister bef\u00f6rdert. Sein Schwiegersohn war der Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel.<br \/>\nF\u00fcnf Kirchen, etliche Wohnh\u00e4user in F\u00fcrstenberg (im Zuge des Wiederaufbaus nach einem gro\u00dfen Brand), das einstige Gymnasium in der Glambecker Stra\u00dfe und das ehemalige Badehaus in Neustrelitz und zahlreiche l\u00e4ndliche Bauten, so das Wasserm\u00fchlengeh\u00f6ft in Fleeth, das F\u00f6rsterhaus in Hinrichshagen und das Gutsp\u00e4chterhaus in Rowa, wurden nach Dunckelbergs Entw\u00fcrfen gebaut.<br \/>\nPaul Martins schrieb \u00fcber Dunckelberg in einem weiteren Aufsatz:<br \/>\n<em>\u201eSein Leben verl\u00e4uft in stillen Bahnen [\u2026] seine architektonischen Werke (fallen) nur in die Jahre 1802-17, noch wieder unterbrochen durch die Kriegszeiten. F\u00fcr seine Entw\u00fcrfe hatte er nur in den Wintermonaten Zeit, im Sommer mu\u00dfte er dauernd im Lande unterwegs sein zur Beaufsichtigung der weit verstreuten Bauten, der Ziegeleien und Kalkbrennereien und f\u00fcr die Vermessungsarbeiten.<br \/>\n<\/em><em>Die Bauten, die Dunckelberg in Mecklenburg-Strelitz geschaffen hat, sind bescheiden und schlicht, zum gro\u00dfen Teilliegen sie auf dem Lande. Erfreulich ist, da\u00df sich ein reicher Schatz seiner Zeichnungen im Neustrelitzer Archiv erhalten hat. Am interessantesten sind die Kirchen, die er gebaut hat, f\u00fcnf an der Zahl, alle f\u00fcr ganz kleine Gemeinden unter steter Schwierigkeit der Baukostenbeschaffung errichtet. Der erste Platz unter ihnen geb\u00fchrt der Hohenzieritzer, die auf dem wundervoll gelegenen l\u00e4ndlichen Besitz des Herzogs dem Schlosse gegen\u00fcber liegt. In diesem kleinen Zentralbau gewinnt Dunckelbergs Schaffen eine H\u00f6he, die ihn den gro\u00dfen Meistern seiner Zeit ebenb\u00fcrtig erscheinen l\u00e4\u00dft. Was h\u00e4tte er noch leisten k\u00f6nnen, wenn ihm weiter solche und gr\u00f6\u00dfere Aufgaben gestellt w\u00e4ren! Aber es war eine Zeit bitterster Armut, nur das Allernotwendigste und das mit den bescheidensten Mitteln durfte gebaut werden, die napoleonischen Kriege hatten auch Mecklenburg in Mitleidenschaft gezogen. So sind auch die beiden anderen Rundkirchen Dunekelbergs in Dolgen und Gramelow von gr\u00f6\u00dfter Einfachheit, ebenso schlicht ist die rechteckige Schillersdorfer Kirche, und nur in R\u00f6dlin konnte wieder ein etwas ansehnlicherer Bau errichtet werden\u201c<\/em> (Martins 1989: 59\u00a0f.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen<br \/>\n<\/strong>Hustaedt, K. 1914: Die Sch\u00f6nheit des Daches \u2013 ein Beitrag zur Heimatkunde. Mecklenburg, Zeitschrift des Heimatbundes Mecklenburg <strong>9<\/strong> (1): 9-19, Foto: S. 17<br \/>\nIPSE Neustrelitz (o.\u00a0J.): Materialsammlung zur Chronik der Gemeinde Hohenzieritz. Ordner II\/VIII, Ortsteil Hohenzieritz, Historische Geb\u00e4ude [mit den Informationen zur Nutzung des Krug-Geb\u00e4udes nach dem Zweiten Weltkrieg].<br \/>\nMartins, P. 1979: Friedrich Wilhelm Dunckelberg, ein Mecklenburg-Strelitzer Landbaumeister um 1800. Carolinum \u2013 historisch-literarische Zeitschrift <strong>43<\/strong> (81): 7\u201335.<br \/>\nMartins, F. 1989: F. W. Dunckelberg \u2013 ein mecklenburgischer Baumeister um 1800. Carolinum \u2013 historisch-literarische Zeitschrift <strong>53<\/strong> (101): 49\u201353.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Entwurf von Friedrich Wilhelm Dunckelberg (1773\u20131844) 1804\u00a0\u2013 nach einer anderen Quelle 1807\u00a0\u2013 lie\u00df Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz (1741\u20131816) an der Dorfstra\u00dfe Hohenzieritz in der Achse des Schlosses ein imposantes Geb\u00e4ude bauen, das den Dorfkrug beherbergte. Der Architekt dieses Geb\u00e4udes war der Kammeringenieur (Ingenieur der Hofkammer) und Landbaumeister im Herzogtum bzw. 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