{"id":481,"date":"2016-10-30T20:03:30","date_gmt":"2016-10-30T20:03:30","guid":{"rendered":"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=481"},"modified":"2023-07-17T10:56:29","modified_gmt":"2023-07-17T10:56:29","slug":"das-dorf-adamsdorf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=481","title":{"rendered":"Adamsdorf"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 1170 schenkten die pommerschen F\u00fcrsten (Bogislaw I. und Kasimir I.) dem Bistum Havelberg das Gebiet um ein damals so genanntes Chotibanz.<br \/>\nDer Name leitet sich vom altslawischen hot\u012d Sucht, Verlangen ab (poln. Chocib\u0105d).\u00a0Als eine Bedeutung wird im Jahrbuch des Vereins f\u00fcr Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 46 (1881)\u00a0angegeben: \u201eOrt des Chotib\u0105d\u201c [der der Munterkeit (Sehnsucht) Wesen hat]&#8220;.Bis Anfang des 15. Jahrhunderts befand sich der Ort in f\u00fcrstlichem Besitz.\u00a0 Um 1460 taucht der Name Kostall auf, 1473 findet sich die Bezeichnung \u201ew\u00fbste veltmarke gen\u00f4met de Kostal\u201c nach dem altslawischen kostel\u016d (Kastell, Thurm, poln. ko\u0161ciol Kirche, Tempel).<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3093 alignright\" style=\"background-color: transparent; font-weight: bold;\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/ehem-Gutshaus-Adamsdorf-kl.jpg\" alt=\"\" width=\"309\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/ehem-Gutshaus-Adamsdorf-kl.jpg 564w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/ehem-Gutshaus-Adamsdorf-kl-300x187.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/>Mitte des 15. Jahrhunderts wird Kostall Lehen und Neben-Gut der Gutsbesitzerfamilie von Peccatel auf Klein Vielen.\u00a0Unter der \u00c4gide der Peccatels taucht bereits der Name Kuhstall auf.<br \/>\nLisch schreibt zur Geschichte des Dorfes und des Namens Folgendes: <em>&#8222;&#8218;Kostal&#8216; wird in alten Zeiten wenig genannt, da es fr\u00fch verw\u00fcstet ward und noch w\u00e4hrend des 15. Jahrhunderts w\u00fcst lag. Merkw\u00fcrdiger Weise geh\u00f6rte dieses Dorf, obgleich mitten unter Lehng\u00fctern gelegen, den Landesherren; am 9. Juni 1460 verpf\u00e4ndete der letzte Herzog von Meklenburg=Stargard dem Henneke von Holstein auf Ankershagen die eine H\u00e4lfte des w\u00fcsten Dorfes \u201eKostall\u201c und darauf verpf\u00e4ndeten die Herzoge Heinrich (vor 1466) und Ulrich (vor 1471) von Stargard den von Peccatel die andere H\u00e4lfte, worauf nach dem Aussterben der herzoglichen Linie Meklenburg=Stargard der Herzog Heinrich der Dicke von Meklenburg=Schwerin zwischen 1471 und 1477 dem Claus v. Peccatel auf Gr. Vielen die andere H\u00e4lfte der w\u00fcsten Feldmark &#8218;Kostal&#8216; mit 6 freien Hufen f\u00fcr eine neue Anleihe von 100 Mark aufs neue verpf\u00e4ndete und sich ausdr\u00fccklich den eigenen Gebrauch nach der Wiedereinl\u00f6sung vorbehielt und allen benachbarten Vasallengeschlechtern die Auskaufung der v. Peccatel versagte. Nun ist Kostal oder Kostel, wie Masch das Dorf nennt, ein allgemein bekanntes slavisches Wort und bedeutet in der h\u00e4ufig in slavischen L\u00e4ndern vorkommenden Form: Kostel = Kirche, Tempel.&#8220;<\/em><br \/>\n1662 starb das Geschlecht der von Peccatel aus. Danach kam Kuhstall in den Besitz wechselnder Gutsbesitzer, so der von Erlenkamps, der von Holste(i)ns, der von Hackes und\u00a0 von Plessen.<br \/>\nW\u00e4hrend der franz\u00f6sischen Besetzung kommt das Gut (mit Liepen) 1810 in die H\u00e4nde des Grafen Heinrich Leopold August von Blumenthal, der mit einer Tochter von Plessens verm\u00e4hlt war. Blumenthal erwarb auch das Gut Klein Vielen, das er 1815 weiterverkaufte.<br \/>\nUnter der Herrschaft der von Blumenthals bekam Kuhstall 1815 die heutige Bezeichnung Adamsdorf. Die Namensgebung erfolgte zu Ehren des in Russland gefallenen Sohnes des damaligen Gutsbesitzers Graf Adam von Blumenthal. Bis Anfang der 1850er Jahre bleiben die Blumenthals Gutsherren in Adamsdorf und Liepen.<br \/>\nDanach kam das Gut in die H\u00e4nde der Gebr\u00fcder Dudy. Um 1857 wurde es versteigert. \u00a0Als Besitzer werden in der Folgezeit und noch 1878 die Gebr\u00fcder Schwabe genannt, kurzzeitig f\u00e4llt \u2013 wohl nur f\u00fcr das Jahr 1878 \u2013 auch der Name Emil Glantz. Dieser verkauft das Gut bereits in diesem Jahr an einen Rittmeister von Pressentin. 1881 erwirbt es ein Ferdinand Schmidt und\u00a01884 geht es weiter in die H\u00e4nde von Karl Johann Freiherr von Kap-herr (1827\u20131887), Rittergutsbesitzer auf Lockwitz bei Dresden, das Gut. Der hatte 1880 bereits das Gut Klein Vielen gekauft (weitere Angaben zur Familie Kapherr siehe <a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=989\"><strong>hier<\/strong><\/a>).<br \/>\nNach seinem Tod 1887 gingen die G\u00fcter Klein Vielen und Adamsdorf auf eine Erbengemeinschaft \u00fcber. Sie wurden von Karl Johanns erstgeborenem Sohn, Hermann Thomas Freiherr von Kapherr (1854\u20131929), weitergef\u00fchrt.<br \/>\nHermanns einziger Sohn Richard (1889\u20131961) wohnte vor der \u00dcbernahme der Leitung des Rittergutes Lockwitz mit seiner Familie in den vergleichsweise bescheidenen Gutsh\u00e4usern in Klein Vielen bzw. sp\u00e4ter in Adamsdorf.<br \/>\nDie schlechte wirtschaftliche Lage Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg zwang ihn zur schrittweisen Aufgabe der Mecklenburger G\u00fcter. So verkaufte er die G\u00fcter Adamsdorf und Liepen 1927\/28 an den Freistaat Mecklenburg-Schwerin, Hartwigshof 1934 an die Siedlungsgesellschaft \u201eHof und Hufe\u201c sowie das Restgut Klein-Vielen 1937 an den Landwirt Herbert Bennecke.<br \/>\nSchon in der Kapherr-Zeit gaben sich in Adamsdorf zahlreiche P\u00e4chter die Klinke in die Hand, ab 1905 allein zehn an der Zahl, bevor 1930 die Familie Benkendorff die Wirtschaft \u00fcbernahm und sie dann bis zur Bodenreform 1945 f\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><br \/>\nLisch<strong>,<\/strong> C. F. 1858: Ueber Chotibanz und Chutun. In: Jahrb\u00fccher des Vereins f\u00fcr Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band <strong>23<\/strong>, S. 22-32, Zitat auf S. 31.<br \/>\nFoto aus: Niemann, M. (Hg.) 2006: L\u00e4ndliches Leben in Mecklenburg in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts\u201c.\u00a0 Ingo Koch Verlag, Rostock 2006, S. 119.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1170 schenkten die pommerschen F\u00fcrsten (Bogislaw I. und Kasimir I.) dem Bistum Havelberg das Gebiet um ein damals so genanntes Chotibanz. Der Name leitet sich vom altslawischen hot\u012d Sucht, Verlangen ab (poln. 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