{"id":5080,"date":"2021-10-09T15:14:23","date_gmt":"2021-10-09T15:14:23","guid":{"rendered":"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=5080"},"modified":"2021-10-10T12:34:08","modified_gmt":"2021-10-10T12:34:08","slug":"die-wanzkaer-papiermuehle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=5080","title":{"rendered":"Die Wanzkaer Papierm\u00fchle"},"content":{"rendered":"<p>Der Standort der ehemaligen Wanzkaer Papierm\u00fchle ist leicht zu finden. In Usadel am Tollensesee biegt man am n\u00f6rdlichen Ortsende rechts ab und kommt nach etwa einem Kilometer zu einer Br\u00fccke \u00fcber den Nonnenbach. Dann erblickt man zwei Geb\u00e4ude, die auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Papierm\u00fchle stehen.<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MTBL_1141Stargard_2545_Wanzkaer-Papierm\u00fchle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5081 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MTBL_1141Stargard_2545_Wanzkaer-Papierm\u00fchle-1024x719.jpg\" alt=\"\" width=\"331\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MTBL_1141Stargard_2545_Wanzkaer-Papierm\u00fchle-1024x719.jpg 1024w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MTBL_1141Stargard_2545_Wanzkaer-Papierm\u00fchle-300x211.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MTBL_1141Stargard_2545_Wanzkaer-Papierm\u00fchle-768x540.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/MTBL_1141Stargard_2545_Wanzkaer-Papierm\u00fchle.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 331px) 100vw, 331px\" \/><\/a><br \/>\nDas Messtischblatt von 1884 zeigt den damaligen M\u00fchlenkomplex.<br \/>\nUm die Mitte des 18. Jahrhunderts sollte auf dem M\u00fchlengel\u00e4nde ein herzogliches Eisenwerk entstehen. Zum Bau kam es nicht. Von den Pl\u00e4nen zeugt unter anderem ein noch erhaltenes Schreiben aus dem Jahr 1744 an den Herzog Adolf Friedrich II., in dem sich der Hauptmann L. J. von Wallenstein f\u00fcr den Bau eines Eisenhammers erbot.<br \/>\n1747 wurde das Gel\u00e4nde an den Besitzer der benachbarten, weiter s\u00fcdlich am Nonnenbach gelegenen Wanzkaer M\u00fchle, Andreas Christian Holst, verkauft. Holst lie\u00df am Standort eine unterschl\u00e4chtige Wasserm\u00fchle zur Papierherstellung errichten.<br \/>\nCa. 1758 gingen beide M\u00fchlen an seinen Sohn \u00fcber. Vater und Sohn Holst betrieben die Papierm\u00fchle nie selbst, sondern verpachteten sie an wechselnde Papiermacher.<br \/>\nP\u00e4chter waren 1747 Christian Borkenhagen, 1751 ein D\u00fcring und 1762 ein Walter, der allerdings noch im selben Jahr verstarb. Walters Witwe heiratete daraufhin den Papiermacher Johann Christoph Modes, der die M\u00fchle 1768 erwarb. 1795 verkauften Modes Erben die M\u00fchle an einen Johann Simon Christoph Lemelson 2001: 240).<br \/>\nNachdem die Papierm\u00fchle jahrzehntelang keine nennenswerten Ums\u00e4tze erzielte, stellte der Schutzjude (<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/izpb\/7666\/1650-1815-territorialstaat-und-schutzjudentum?p=all\">Bedeutung<\/a>) Moses Lemelson aus Strelitz 1802 bei der herzoglichen Kammer den Antrag, die Papierm\u00fchle kaufen zu d\u00fcrfen. Noch im gleichen Jahr erhielt er die Genehmigung und konnte die M\u00fchle f\u00fcr einen Kaufpreis von immerhin 6.000 Talern erwerben, damals ein kleines Verm\u00f6gen (Lemelson 2002: 241).<br \/>\nUnter Lemelson, der in Strelitz auch als Juden\u00e4ltester amtierte, Teilhaber an einer Kompagniehandlung war und zwei Wohnh\u00e4user besa\u00df, erfuhr die Papierm\u00fchle innerhalb k\u00fcrzester Zeit einen wirtschaftlichen Aufschwung und besch\u00e4ftigt 1803 bereits knapp 50 Mitarbeiter. Die M\u00fchle hatte zwei B\u00fctten, war in gutem Zustand und produzierte Akten- und Briefpapier. Mit dem hochwertigen handgesch\u00f6pften Lumpenpapier wurden der Neustrelitzer Hof, die herzogliche Regierung von Mecklenburg-Strelitz, diverse Deutsche F\u00fcrstent\u00fcmer, das benachbarte Mecklenburg-Schwerin und Preu\u00dfen beliefert. Es ist anhand markanter Wasserzeichen im Papier nachgewiesen, dass in diesem Zeitraum zudem der Mecklenburg-Strelitzsche Staatskalender vereinzelt auf Papier der M\u00fchle gedruckt wurde. Dieses Papier mit unterschiedlichen Wasserzeichen wird noch heute im Karbe-Wagner-Archiv-Neustrelitz verwahrt.<br \/>\nDurch die wirtschaftliche Stellung, die sich Lemelson im Gro\u00dfherzogtum erarbeitet hatte, war es schnell m\u00f6glich, den Betrieb um einige Geb\u00e4ude zu erweitern. So wurden unter anderem Wohnh\u00e4user f\u00fcr Betriebsangestellte errichtet.<br \/>\n1815 wurde Moses Sohn David Lemelson nach seinem Milit\u00e4rdienst im Mecklenburg-Strelitzer Hussarenregiment in die F\u00fchrung des Betriebes eingewiesen. In einer Sch\u00e4tzung im Zusammenhang mit dem Abschluss einer Brandversicherung wurde der Gesamtwert der M\u00fchle und aller weiteren Geb\u00e4ude des M\u00fchlenstandortes auf 8.950 Taler beziffert. Zur M\u00fchle geh\u00f6rten damals 13.720 Quadratruten Land (ca. 195.000 Quadratmeter).<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5106 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"331\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020-300x199.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020-768x510.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020-272x182.jpg 272w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Papierm\u00fchle-Gedenkstein-Vanessa-Goetz-2020.jpg 1181w\" sizes=\"(max-width: 331px) 100vw, 331px\" \/><\/a><br \/>\nMoses Lemelson trat mit seiner Familie\u00a01809 zum christlichen Glauben \u00fcber.\u00a0Mit seinem Tod im Jahr 1829 ging die M\u00fchle mit einem damaligen Wert von 7.500 Talern endg\u00fcltig in den Besitz des Sohnes David \u00fcber.<br \/>\n1835 starb Moses Witwe Albertine Sarah Lemelson und wurde auf dem Grundst\u00fcck der Papierm\u00fchle bestattet. David und seine Schwestern lie\u00dfen in Gedenken an ihre Eltern einen Stein auf einer k\u00fcnstlichen errichteten Insel im Nonnenbach platzieren, der heute noch erhalten ist (siehe Foto).<br \/>\nIm Laufe der 1840er Jahre verlor die Papierm\u00fchle aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Maschinenpapier ihre Wirtschaftlichkeit. Die Produktion wurde daher gr\u00f6\u00dftenteils auf Dachpappe aus Altpapier umgestellt. 1861, nach 60 Jahren im Familienbesitz, musste die Papierm\u00fchle letztendlich aus mangelnder Konkurrenzf\u00e4higkeit und der daraus folgend schlechten finanziellen Situation verkauft werden.<br \/>\nEin Gro\u00dfneffe Davids erinnert sich an das ehemalige Anwesen wie folgt:<br \/>\n\u201eSehr deutlich erinnere ich mich der fr\u00f6hlichen klappernden Wasserm\u00fchle, des ger\u00e4umigen, aber einst\u00f6ckigen Hauses mit hohem Giebeldach und den Souterrains f\u00fcr die Pressen und das aufgestapelte B\u00fcttenpapier, den herrschaftlichen Garten mit Teich und Pavillion nebst Gartenhaus mit<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Scheune-Wanz-Papierm\u00fchle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5083 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Scheune-Wanz-Papierm\u00fchle-1024x690.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Scheune-Wanz-Papierm\u00fchle-1024x690.jpg 1024w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Scheune-Wanz-Papierm\u00fchle-300x202.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Scheune-Wanz-Papierm\u00fchle-768x518.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Scheune-Wanz-Papierm\u00fchle.jpg 1181w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a> bunt verglasten T\u00fcrfl\u00fcgeln, durch die man sich die Welt in allen Farben ansehen konnte. Besonders aber an die romantischen Ufer des Fl\u00fcsschens, das den Garten begrenzte und und einen Vergleich mit der rauschenden Schwarza in Th\u00fcringen nicht zu scheuen brauchte&#8220;\u00a0(Lemelson 2002: 249 f.).<br \/>\n1867 war die M\u00fchle im Besitz von Wilhelm M\u00fcller aus Neubrandenburg, der einen Antrag stellte, die Papierm\u00fchle in eine Schrot- und Mahlm\u00fchle umzur\u00fcsten. Dieser Antrag wurde bewilligt, sodass die M\u00fchle fortan kein Papier mehr produzierte. 1872 verkauft M\u00fcller an C. Bei\u00dfer aus Berlin, der die L\u00e4ndereien landwirtschaftlich nutzte. 1877 ging das M\u00fchlengrundst\u00fcck an Friedrich Schmidt aus Schwerin und 1897 an Rudolf Braun aus Neubrandenburg.<a href=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Forsthaus-Zachow.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5084 alignright\" src=\"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Forsthaus-Zachow-1024x710.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Forsthaus-Zachow-1024x710.jpg 1024w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Forsthaus-Zachow-300x208.jpg 300w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Forsthaus-Zachow-768x533.jpg 768w, https:\/\/kleinvielen-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Forsthaus-Zachow.jpg 1181w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/><\/a><br \/>\n1906 kaufte ein P. Scharlau das Anwesen als Gl\u00e4ubiger f\u00fcr 24.800 M und bot diese noch im gleichen Jahr dem Kammer- und Forstkollegium Neustrelitz zum Kauf an. Am 8.5.1906 wurde der Vertrag unterzeichnet. Zu den L\u00e4ndereien der M\u00fchle geh\u00f6rten laut handschriftlicher Notizen damals eine Haus- und Hofstelle, Garten, Acker und Wiesen. Die Kammer lie\u00df mit Ausnahme einer Scheune die alten Geb\u00e4ude abrei\u00dfen und errichtete ein Forstgeh\u00f6ft \u201eForsthaus Zachow\u201c, das noch heute erhalten ist. Das Forsthaus hat neue Besitzer gefunden und soll saniert werden.\u00a0Auch die bemerkenswerte Scheune steht noch, bedarf aber wie das Forsthaus dringend der Sanierung.<\/p>\n<p>Zur Familiengeschichte der Lemelsons finden sich viele weitere Informationen bei Lemelson 2002.<\/p>\n<p><strong>Quellen<br \/>\n<\/strong>Kartenausschnitt Messtischblatt Nr. 1141 Stargard 1884, Studienarchiv Umweltgeschichte des Instituts f\u00fcr Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. an der Hochschule Neubrandenburg. Kartensammlung.<br \/>\nLemelson, K. 2002: Die Papierherstellung in Mecklenburg-Strelitz am Beispiel der Wanzkaer Papierm\u00fchle. In: Erstling, F., Sa\u00df, F., Schulze, E. &amp; Witzke, H.: Mecklenburg-Strelitz. Beitr\u00e4ge zur Geschichte einer Region. Band 2. Hrsg. vom Landkreis Mecklenburg-Strelitz. Friedland\/Meckl.: 239\u2013250.<br \/>\nFotos alte Scheune und Forsthaus: H. Behrens, 2021.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Standort der ehemaligen Wanzkaer Papierm\u00fchle ist leicht zu finden. In Usadel am Tollensesee biegt man am n\u00f6rdlichen Ortsende rechts ab und kommt nach etwa einem Kilometer zu einer Br\u00fccke \u00fcber den Nonnenbach. Dann erblickt man zwei Geb\u00e4ude, die auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Papierm\u00fchle stehen. Das Messtischblatt von 1884 zeigt den damaligen M\u00fchlenkomplex. 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