{"id":756,"date":"2016-11-20T13:02:37","date_gmt":"2016-11-20T13:02:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=756"},"modified":"2017-01-08T16:45:11","modified_gmt":"2017-01-08T16:45:11","slug":"karlfried-krull-ortschaften-im-kirchspiel-peckatel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kleinvielen-ev.de\/?page_id=756","title":{"rendered":"Karlfried Krull: Ortschaften im Kirchspiel Peckatel"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Geographische<\/strong> <strong>Lage<\/strong><\/h4>\n<p>Das Gebiet liegt im S\u00fcden des Landes Mecklenburg und wird von der Bundesstra\u00dfe 193 durchquert. Es grenzt im Norden an die st\u00e4dtischen L\u00e4ndereien von Penzlin und im S\u00fcden an Strelitz. Eine H\u00fcgelkette eiszeitlichen Ursprungs durchzieht das Gebiet in Ost-Westrichtung. Weite Felder, ausgedehnte W\u00e4lder, Wiesen und Viehweiden, Hecken und Baumgruppen, Seen, B\u00e4che, Gr\u00e4ben, Br\u00fccher und Moore wechseln einander ab und geben der Landschaft das Gepr\u00e4ge.<br \/>\nIn den \u00e4ltesten Urkunden wird diese Gegend als w\u00fcstes oder verw\u00fcstetes Land bezeichnet. Einige Anzeichen scheinen darauf hinzudeuten, dass es zum Teil ehemaliges heidnisches (slawisches) Tempelland war, das nach der Eroberung durch die Deutschen der christlichen Geistlichkeit \u00fcbergeben wurde. Nach einer Urkunde vom 18. August 1179 schenkten die F\u00fcrsten von Pommern dem Kloster Broda u. a. die \u00d6rtlichkeiten<\/p>\n<ol>\n<li>Zieritz, Penzlin, Wustrow, Gr. u. Kl. Vielen,<\/li>\n<li>im Land Raduir Prilwitz, Nemerow, Stargard.<\/li>\n<li>die Lips.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Von der Schenkung war die Ortschaft Kostal (Kostel, Kuhstall, Adamsdorf) ausgenommen. Es wurde, obwohl inmitten der Lehng\u00fcter gelegen, vom Landesherrn nicht als Lehn vergeben. Daher wird vermutet, dass es sich um ein slawisches Heiligtum handelte, das in R\u00fccksicht auf den \u201eheidnischen\u201c Glauben der slawischen Bev\u00f6lkerung von der Verlehnung ausgenommen war.<br \/>\nVon den ehemals acht Ortschaften des Kirchspiels sind noch f\u00fcnf vorhanden. Es sind die D\u00f6rfer <strong>Peccatel, Klein Vielen, Liepen, Langhagen und Brustorf. <\/strong>Drei D\u00f6rfer fielen der Zeit und den gesellschaftlichen Umst\u00e4nden zum Opfer: <strong>Stribbow, Peutsch und das alte Kostal<\/strong>. Zwei weitere, <strong>Hartwigsdorf<\/strong> und <strong>Adamsdorf<\/strong>, sind Siedlungen aus j\u00fcngerer Zeit.<\/p>\n<h4><strong>Die D\u00f6rfer und Ortschaften<\/strong><\/h4>\n<p>Das Dorf <strong><u>Peccatel<\/u><\/strong> entstand aus \u201ewilder Wurzel\u201c, d.h. in einer unbewohnten, bewaldeten, schwer zug\u00e4nglichen Gegend, die erst im 12.\/13. Jahrhundert durch die Arbeit deutscher Kolonisten in eine Kulturlandschaft umgestaltet wurde. Das Territorium geh\u00f6rte zum Lehnsgebiet des Rittergeschlechts derer von Peccatel. Die Sippe richtete in der anfangs noch namenlosen Kolonie einen Rittersitz ein und \u00fcbertrug ihren Namen auf das neue Dorf. Urkundlich belegt ist dieser Vorgang nicht, er kann jedoch aus der damals \u00fcblichen Praxis der Namengebung geschlossen werden.<br \/>\nAls F\u00fcrst Nicolaus v. Werle die Br\u00fcder Bernhard und Heinrich Peccatel mit Peccatel und weiteren D\u00f6rfern belehnte (12. M\u00e4rz 1274), wird das Dorf schon einige Jahrzehnte \u201ealt\u201c und nicht zum ersten Mal verlehnt gewesen sein, denn eine Lehnserneuerung war bei jedem Wechsel des Lehnsherrn f\u00e4llig. Sp\u00e4testens zu der Zeit, als der Rittersitz in Peccatel eingerichtet wurde, wird hier auch die erste Kirche errichtet worden sein. Sie galt fortan als Mutterkirche des Kirchspiels, der die Filialkirchen (Tochterkirchen) zugeordnet waren.<br \/>\nZu den D\u00f6rfern, die im Laufe der Geschichte mehrere Namens\u00e4nderungen erfuhren, geh\u00f6rt <strong><u>Klein Vielen<\/u><\/strong>. In der Lehnsurkunde von 1274 wird das Dorf als \u201eColhazenvilem\u201c aufgef\u00fchrt, eine Bezeichnung, die mit \u201eKohlhasen-Vilem\u201c oder \u201eVilem des Kohlhase\u201c gedeutet wird. Der Zusatz \u201edes Kohlhase\u201c war erforderlich, um den Ort eindeutig vom benachbarten \u201eVilem\u201c oder \u201eVilim\u201c, dem heutigen Gro\u00df Vielen, zu unterscheiden.<br \/>\nDie Erinnerung an Kohlhase verblasste schlie\u00dflich und ging verloren. Das Dorf hie\u00df nun \u201eVilim minoris\u201c oder \u201eL\u00fctten Vilim\u201c. Als die slawische Sprache ausgestorben war, wusste man das Wort \u201eVilim\u201c nicht mehr zu deuten und ersetzte es durch das \u00e4hnlich klingende und begrifflich fassbare \u201eVielen\u201c. Nun hie\u00df das Dorf \u201eL\u00fctten Vielen\u201c oder \u201eL\u00fctcken Vielen\u201c. Daraus machte man amtlicherseits \u201eKlein Vielen\u201c, weil Plattdeutsch als r\u00fcckst\u00e4ndig galt (pd. l\u00fctt = hd. klein). Die Dorfleute nennen den Ort aber noch jetzt \u201eL\u00fctten Vielen\u201c, wobei das Wort \u201eVielen\u201c in der heimischen Aussprache leicht zu \u201eViedln\u201c mutiert.<br \/>\nDas heutige <strong><u>Brustorf<\/u><\/strong> hie\u00df fr\u00fcher \u201eBrusmezdorp\u201c. Man findet es in alten Landkarten und Dokumenten auch als \u201eBr\u00fcstorff\u201c oder \u201eBristorff\u201c bezeichnet. Die damalige Ortslage stimmt nicht ganz mit der heutigen \u00fcberein, weil der Ort im 30-J\u00e4hrigen Krieg einging. Erst ein halbes Jahrhundert danach entstand wieder eine kleine Siedlung, \u201eder D\u00fcsterhoff\u201c (der dunkle Hof) genannt. Schon in den Jahrhunderten vor dem gro\u00dfen Krieg lag das Dorf mehrmals und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit w\u00fcst. 1505 wird der Ort nicht erw\u00e4hnt, sondern nur die \u201eVeldtmark Brustorff\u201c. 1692 liegt die Feldmark w\u00fcst, und 1698 ist sie \u201egantz mit jungen tragbaren Eichen und Buchen bewachsen\u201c.<br \/>\nDas heutige Brustorf verdankt seine Entstehung im Wesentlichen einer in der Mitte des 18. Jahrhunderts in der N\u00e4he des D\u00fcsterhoffs eingerichteten Glash\u00fcttensiedlung. Westlich von Brustorf liegt \u201eKlein Brustorf\u201c, ein Ausbau des Dorfes, der schon nach wenigen Jahrzehnten aufgegeben wurde und einging.<br \/>\nAn den Ort <strong><u>Stribbow<\/u><\/strong> erinnern nur noch die Flurnamen \u201eStribbower Berge\u201c und \u201eStribbower See\u201c. Die ehemalige Feldmark gibt es nicht mehr. Wann das Dorf einging, ist nicht bekannt. 1408 wird Stribbow noch als Dorf bezeichnet, danach nicht mehr. Das Gebiet wurde der Feldmark Peccatel angegliedert, zuerst auch noch ackerbaulich genutzt, aber wegen des schlechten Bodens bald aufgegeben. Das ehemalige Ackerland verbuschte, blieb sich selbst \u00fcberlassen und entwickelte sich zu dem, was gew\u00f6hnlich unter dem Begriff Heide verstanden wird. Damit bezeichnete man Sandgebiete, die sich wegen des d\u00fcrren, armen Bodens f\u00fcr den Ackerbau nicht eigneten. Brauchbar war die Heide nur zur Gewinnung von Feuer- und Bauholz und zur Waldweide.<br \/>\n<strong><u>Peutsch<\/u><\/strong> ist, wie Stribbow, ein urspr\u00fcnglich slawisches Dorf. Etwas abgelegen vom Zentrum des Kirchspiels, tritt es erst sp\u00e4t (seit 1408 aktenkundig) in die Geschichte ein. Schon 1505 ist von dem Dorf nicht mehr die Rede, sondern nur von der w\u00fcsten Feldmark und \u201eWaldtmarkede, dar de Santmolen uppe licht\u201c. Versuche, Peutsch wieder zu besiedeln, gab es wohl, doch alle scheiterten nach wenigen Jahrzehnten. Erst im 18. Jahrhundert konnten einige wenige Familien dort \u00fcber mehrere Generation sesshaft werden. Jetzt erinnern an das Dorf Peutsch (aktenkundig auch unter den Namen Poeltzig<strong>, <\/strong>Poitzke, Peytschke, Poltz, Polze, Poltzke, Pottsche, P\u00f6ltzsche, Poltzsche, P\u00f6lsche und Polsche) nur noch der Peutscher See und einige schon lange mit Geb\u00fcsch bewachsene Ruinen.<br \/>\nIn den Befreiungskriegen fiel Adam Blumenthal, der Sohn des Gutsbesitzers Graf Blumenthal, der diesen Vorfall zum Anlass nahm, dass bis dahin \u201eKuhstall\u201c genannte Dorf in <strong><u>Adamsdorf<\/u><\/strong> umzutaufen. Dabei mag auch der Gedanke eine Rolle gespielt haben, dass der Name Kuhstall etwas unschicklich war f\u00fcr dieses gr\u00e4fliche Landgut. Das alte Dorf Kostel oder Kostal ging schon im 15. Jahrhundert unter. Die deutschen Siedler deuteten den Ortsnamen falsch (Kostal = plattdeutsch: Kuhstall). Auf einer Landkarte wird westlich von Adamsdorf eine \u201ealte Dorfstelle\u201c angegeben, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass es sich um das untergegangene Kostal handelt.<br \/>\nNach Archivrat Lisch, der die fr\u00fche Geschichte dieser Gegend ans Licht zu bringen versuchte, ist Kostal ein slawisches Wort und bedeutet Kirche oder Tempel. Allerdings muss ber\u00fccksichtigt werden, dass das vom lateinischen \u201ecastellum\u201c (befestigter Ort oder burg\u00e4hnliche Befestigungsanlage) abgeleitete Wort sich nicht auf die slawischen L\u00e4nder beschr\u00e4nkt, sondern weit verbreitet ist (niederl.: Kasteel, franz.: castel, engl.: castle). Da im fr\u00fchen Mittelalter Urkunden in Latein verfasst wurden, mag unter deutscher Herrschaft das Wort auf eine alte Wehranlage bei Adamsdorf bezogen sein. Der Strelitzer Superintendenten Masch berichtet, die Ortschaft sei landl\u00e4ufig unter der Bezeichnung Kohschwanz (d.h. hochdeutsch: Kuhschwanz) bekannt gewesen. Auch hier l\u00e4sst sich vermuten, dass dieses Wort aus \u201eChotibanz\u201c (einem slawischen Bezirk mit Kostal als Grenzort) hervorgegangen sein kann.<br \/>\nDas Dorf <strong><u>Langhagen<\/u><\/strong> liegt am weitesten von Peccatel entfernt und hat wegen seines schlechten Ackerbodens nie eine gro\u00dfe Bedeutung erlangen k\u00f6nnen. Dort wohnten nur wenige Bauern, die sich k\u00fcmmerlich durchschlagen mussten. Urspr\u00fcnglich hie\u00df der Ort Langkavel, was etwa mit \u201elange Feldst\u00fccke\u201c zu \u00fcbersetzen ist. Kavel sind die jedem Bauern (Siedler) vom Lokator (Dorfgr\u00fcnder) zugeteilten Bodenfl\u00e4chen. Langhagen teilte das Schicksal vieler kleiner Ansiedlungen, sie wurden bei Fehden, die die Ritterschaft unter sich austrug, \u00fcberfallen, ausgeraubt und verw\u00fcstet.<br \/>\nDie Ortschaft <strong><u>Hartwigsdorf<\/u><\/strong> ging aus einer Glash\u00fcttensiedlung hervor. Als der H\u00fcttenbetrieb eingestellt wurde, lie\u00df der Gutsherr von Klein Vielen die abgeholzten Fl\u00e4chen in Ackerland umwandeln. Eine kleine Siedlung entstand in der N\u00e4he des fr\u00fcheren H\u00fcttenbetriebes. Aus der sogenannten \u201eVielmer H\u00fctte\u201c entwickelte sich die Siedlung \u201eAlte H\u00fctte\u201c, die sp\u00e4ter unter der Bezeichnung \u201eHartwigshof\u201c und schlie\u00dflich \u201eHartwigsdorf\u201c (seit 1936) in die Geschichte eintrat und bis jetzt erhalten blieb.<br \/>\nEine Sonderstellung innerhalb des Kirchspiels nahm das Dorf <strong><u>Liepen<\/u><\/strong> ein. Was jetzt wie eine kleine, unbedeutende Siedlung anmutet, war ehemals ein gro\u00dfes Bauerndorf mit 24 Siedlungsstellen. Entsprechend gro\u00df war auch die Feldmark. Sie reichte von Pieverstorf im Norden bis Langhagen im S\u00fcden. Das Ackerland war allerdings nur von m\u00e4\u00dfiger bis schlechter Qualit\u00e4t. Obwohl nie reich, konnten die Bauern in Liepen ihren Bauernstatus doch \u00fcber mehrere Jahrhunderte bewahren. Untertanen der Landesherrschaft waren allerdings auch sie und damit allen Ma\u00dfnahmen der adligen Herrschaft unterworfen.<br \/>\nZu erw\u00e4hnen ist noch <strong><u>Jennyhof<\/u><\/strong>, eine gegen Ende des 18. Jahrhunderts nord\u00f6stlich von Peccatel eingerichtete Au\u00dfenstelle des Landguts Peccatel (eine Meierei) mit Geh\u00f6ften, Wirtschaftsgeb\u00e4uden und vorwiegend eigener Wirtschaftsf\u00fchrung durch P\u00e4chter oder deren Verwalter. Ein Verbindungsweg f\u00fchrte von Peccatel \u00fcber Jennyhof nach Hohenzieritz, Werder und Penzlin. Nach der Fertigstellung der Chaussee von Peccatel nach Penzlin in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die alte Wegef\u00fchrung aufgegeben und stattdessen eine Verbindung von der neuen Chaussee nach Jennyhof angelegt. Dieses St\u00fcck Weg blieb bis jetzt erhalten, die ehemalige Meierei Jennyhof liegt jedoch seit Jahrzehnten w\u00fcst. Die Wohn- und Wirtschaftsgeb\u00e4ude wurden abgerissen und das daraus gewonnene Material, soweit es noch brauchbar war, f\u00fcr Bauzwecke an anderer Stelle genutzt.<\/p>\n<p><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nKrull, K. (ohne Jahresangabe): <em>Das Bauerndorf Peccatel und die Ortschaften des Kirchspiels<\/em>. <em>Dokumente und Kommentare aus sechs Jahrhunderten von 1250 bis 1850<\/em>.<br \/>\nNachlass Karlfried Krull im Karbe-Wagner-Archiv Neustrelitz, Signatur Ha 535: Das Bauerndorf Peccatel: S. 5\u20136.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geographische Lage Das Gebiet liegt im S\u00fcden des Landes Mecklenburg und wird von der Bundesstra\u00dfe 193 durchquert. Es grenzt im Norden an die st\u00e4dtischen L\u00e4ndereien von Penzlin und im S\u00fcden an Strelitz. 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