Die alte Schmiede in Peckatel

Zur Geschichte
Die Schmiede 1988. Freie Erde Nr. 166 vom 15. Juli 1988, S. 7

Die Schmiede wurde wahrscheinlich zwischen 1851 und 1871 gebaut bzw. umgebaut. Der rechteckige Feldsteinbau mit Satteldach und Teilen aus Backstein hatte an der Straßenseite eine Vorlaube auf vier Säulen.
Die dicken Wände aus Feldsteinen waren vermutlich wesentlich älter als angegeben, man spricht von einer Bauzeit im 16. Jahrhundert oder 17. Jahrhundert. Die Wände waren aus unbehauenen Feldsteinen und nur an den Ecken bearbeitet. Das Gebäude war ohne Fundament auf ebenen Boden gesetzt worden. Das Dach wurde wahrscheinlich mehrere Male erneuert. Vermutlich stand dieser Teil der Schmiede schon im ritterschaftlichen Bauerndorf Peckatel und wurde im 19. Jahrhundert nur modernisiert.
Als Gutsherr von Maltzan 1862/63 die Kirche neu errichten ließ, übernahm der damalige Schmied Vester alle Eisenarbeiten.
Die Produktionsstätte blieb bis 1934 Gutsschmiede.
Als der derzeitige Besitzer Ludolf von Maltzahn sein Hauptgut an eine Siedlungsgesellschaft verkaufen musste, erwarb der Schmied und Siedler Hermann Hacker Schmiede, Wohnhaus und Ackerland. Kurze Zeit danach erbte sein Sohn Heinrich den Besitz. 1939 gab Hacker die nebenbei bewirtschaftete Landwirtschaft auf.
1942 wurde er eingezogen und fiel. Seine Witwe verpachtete die Schmiede an den Flüchtling Richard Schulz. Bis zu seinem Tode war Richard Schulz als selbständiger Handwerker tätig.
Am 1. Dezember 1960 fuhr ein LKW auf glatter Straße durch Peckatel und wollte in Höhe der Schmiede einem entgegenkommenden Lastwagen ausweichen.
Dabei kam er ins Rutschen, fuhr in die Schmiede hinein, nahm zwei Stützsäulen mit, was zum Teileinsturz des Giebels führte. Die Stützsäulen, eigentlich rund, wurden in quadratischer Form wieder aufgebaut.
Ab 1972 verfiel das Gebäude. Mehrmals wurde in die Schmiede eingebrochen und Werkzeug gestohlen. 1979 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt, und damit durfte das Gebäude nicht abgerissen werden.
Staatliche Zuwendungen erhielt die Besitzerin, Frau Emma Schulz, allerdings nicht. Der Anblick der Schmiede erregte immer wieder Aufsehen, wegen des kulturhistorischen Wertes einerseits und des schlechten baulichen Zustandes andererseits (siehe Foto von 1988).

Abriss und Wiederaufbau 1991
alte-schmiede1991 kam es zu einem schweren Sturmschaden und das Dach drohte einzustürzen . Da an der Schmiede der Weg zur Schule führte, war Gefahr im Verzug, es musste gehandelt werden.
Die Schmiede in Peckatel, 2006.Die damalige Bürgermeisterin von Klein Vielen, Judith Mantwillat, stellte einen Antrag auf Abriss an die Untere Denkmalschutzbehörde des damaligen Landkreises Mecklenburg-Strelitz, dem unter der Bedingung zugestimmt wurde, die Schmiede anschließend wiederaufzubauen. Die alte Schmiede wurde abgetragen und die Feldsteine wurden beiseite gepackt. Weitere Anträge auf Fördermittel wurden gestellt und waren erfolgreich.
Die Firma Planbau/Ingenieurbau Neustrelitz erarbeitete nach alten Originalfotos ein Projekt, das auch vorsah, die Schmiede einige Meter zurückzusetzen.
Am Wiederaufbau waren neben der genannten Firma die Firmen Hempel, Gentz und Krey  aus Neustrelitz und die Firma Diehr/Wesenberg beteiligt.
Das Kulturministerium stellte Mittel zur Verfügung, die Gemeinde Klein Vielen setzte damals in größerer Zahl vorhandene Arbeitskräfte ein, die über den zweiten Arbeitsmarkt in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gefördert wurden.
Im Dezember 1991 wurde mit dem Bau begonnen und schon acht Monate später wurde der Bau übergeben.
Gemeinsam mit der Unteren Dankmalschutzbehörde hatte die Gemeinde erste Gedanken für eine spätere Nutzung zu Papier gebracht. Es gründete sich ein Förderverein für die alte Schmiede, der bis heute besteht und dessen Mitglieder in den Folgejahren Ausstellungen und andere Veranstaltungen durchführten.
Die Ausstellungen wurden insbesondere von der ehemaligen Ortschronistin und Lehrerin Gisela Krull konzipiert. Ihre erste Ausstellung anlässlich der Einweihung der wiederaufgebauten Schmiede 1992 widmete sich dem Thema „Die Peckateler Bauern 1274 bis 1960“. Zahlreiche weitere Ausstellungen folgten in den 1990er und 2000er Jahren wie die zur Naturschutzgeschichte in der Seenplatte (Das Foto zeigt ein Bild aus der Ausstellung).
Das Schmiedegebäude befindet sich in Privateigentum.

Quellen
LHA Schwerin, 10.25-1 Mecklenburgische Landgesellschaft mbH, Nr. 1982.
LHA Schwerin, Min f Landw., Domänen und Forsten – Siedlungsamt – (Spezialakten) Nr. 3120.
IPSE Neustrelitz (o.J.): Materialsammlung zur Geschichte der Gemeinde Klein Vielen, Ordner VII/VIII.
historisches Foto: Freie Erde Nr. 166 vom 15. Juli 1988, S. 7.
Artikel „Alte Schmiede beschädigt“: Freie Erde vom 1. Dezember 1960.
Sonstige Fotos: H. Behrens