Land im „Grenzgebiet“

Eine kleine Verwaltungsgeschichte
Die Gemarkungen der heutigen Gemeinden Klein Vielen und Hohenzieritz lagen sich über Jahrhunderte hinweg an der Grenze zwischen den beiden ehemaligen Großherzogtümern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz gegenüber, die bis 1918 existierten.
Die Gutsdörfer Klein Vielen und Peckatel gehörten dabei zum Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Südlich und östlich stießen ihre Gemarkungen an die Grenze zum ehemaligen Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz – das war der zweite mecklenburgische Staat.
Vergleicht man das Messtischblatt von 1882/84 (siehe Abb.) und ein aktuelles Luftbild, so ist die alte „Landesgrenze“ zwischen den Kleinen Stadtsee südlich von Penzlin und dem Peutscher Forst bei Brustorf auch heute noch  vollständig im Landschaftsbild zu sehen und zwar exakt in ihrem historischen Verlauf.
Was heute als Band von Feldgehölzen erscheint, ist ein einzigartiges und sichtbares Zeugnis der Politik- und Verwaltungsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns, ein Schatz, der bewahrt werden sollte.
Und auch „unter Wald“ liegen noch Zeugen der alten Verwaltungsgeschichte, wie Studierende der Hochschule Neubrandenburg herausfanden (siehe hier).

Bis 1952 gehörten die Gemarkungen der Gemeinde Klein Vielen dann zum Landkreis Waren im Land Mecklenburg. Erst mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1952 wurden die historischen Zusammenhänge aufgelöst. Fortan und bis 1990 lag die 1960 gegründete Gemeinde nun im Kreis Neustrelitz im DDR-Bezirk Neubrandenburg. Zu diesem Kreis gehörte sie auch nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und der Wiedergründung des (Bundes-)Landes Mecklenburg-Vorpommern und zwar bis 1994.
Mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1994 wurde die Gemeinde Klein Vielen Bestandteil des Landkreises Mecklenburg-Strelitz, der aus den Kreisen Neustrelitz, Neubrandenburg-Land und dem größten Teil des Kreises Strasburg entstand. Nach der vorerst letzten Gebiets- und Verwaltungsreform 2010 liegt sie mit Wirkung vom 4. September 2011 im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.
Bis 1918 war die südliche bzw. östliche Gemeindegrenze auch die alte Grenze zwischen den ehemaligen Großherzogtümern. Im Osten bildet die ehemalige „Staatsgrenze“ heute die Grenze zur Gemeinde Hohenzieritz, im Südosten die zur Gemeinde Blumenholz und im Süden die zur Stadt Neustrelitz.
Im Norden liegt das Gemeindegebiet der Stadt Penzlin und im Westen das der Gemeinde Kratzeburg.
„An der Grenze“, das ist heute noch eine gebräuchliche Redewendung in den Gemeinden Hohenzieritz und Klein Vielen.

Quelle Karte:
Ausschnitt aus: Königlich-Preussische Landes-Aufnahme 1882, herausgegeben 1884. Nr. 1140 Hohenzieritz.